Kennt ihr das auch, man möchte sein Pferd aus dem Auslauf holen und man kann, nein man möchte, seinen Augen nicht trauen? Mmmh – genau das ist der Moment wenn man sich hilfesuchend in der restlichen Herde nach seinem vertrauten Knopfaugen umschaut. Die man so liebt. Und von denen man denkt, dass sie einen auch lieben und die einem natürlich so etwas niemals antun würden. Nein. Niemals.
Kennt ihr das? Ihr stimmt mir sicherlich zu, wenn einem die letzte Körperspannung mit einem Seufzer gänzlich entweicht. Man mit hängenden Schultern und Kopf sich seinem Schicksal ergibt und doch auf diesen Dreckklumpen liebevoll zugeht.
Denn es schauen nicht nur bekannte längliche Batzsäulen aus dem Schlamm. Nein, auch die sich (nur schwer beweglichen) freudig nach vorne gerichteten Öhrchen, meint man schon einmal gesehen zu haben. Spätestens bei den spitzbübisch blitzenden dunklen Augen, die auf einem gespannt ruhen, weiß man – oh man, dass da ist mein Pferd oder zu mindestens wird kein anderer sich bereit erklären dieses Ding da sauber zu kratzen.
Es gibt ja Theorien, in denen behauptet wird, man muss sofort reagieren, sonst bringt das Tier deine Reaktion nicht mehr mit der eigentlichen eignen Tat in Verbindung – pahh, diese Theoretiker hatten noch nie mit humorvollen Vierbeiner zu tun, geschweige denn mit Ponys oder den lustigen Terriern dieser Welt.
Und wie genau diese Kollegen wissen, was sie getan haben. Man sieht es in ihren Augen und es klingen einem förmlich die Ohren. Sie können so selbstzufrieden schauen, dass man neidisch wird. Getoppt wird das nur noch, durch den gleichzeitigen Dackelblick, der lebende Unschuld: „ mir ist auch total schleierhaft wie das passieren konnte“ Geht es Euch nicht auch so – Tiere können grinsen! Und die Schadenfreude steht ihnen sehr gut. So viel muss man ihnen lassen.
Also man gibt sich geschlagen. Man zwängt das gute Lederhalfter über das verkrustete Gesicht seines Pferdes, gefühlt muss es eingegangen sein, so viel Batz – und oh nein, bis hinter…nein halt … auch in die Ohren. Tadelnd schaut man seinem Lieben tief in die Augen und richtig, man erntet nur einen weiteren Oskar reifen Dackelblick.
Mmmh…grrr… Jetzt kommt der schlimmste Teil. Man dreht sich um, ohne eines weiteren Blickes oder Wortes, richtet sich etwas auf mit einen starren Blick fest und tapfer nach vorne auf den nun kommenden den Boulevard der Schmach und Schadenfreude gerichtet. „Uii Dein Pferd schaut heute aber schick aus“ – „Ah Dein Pferd hat sich aber viel Mühe gegeben“ usw. Ich bringe nur ein gequältes Lächeln zustande. Da ich weiß, dass mein Lächeln eher Ähnlichkeit mit einer gruseligen Grimasse hat, nicke ich noch tapfer. Dabei gehe ich im Kopf meinen Zeitplan für den restlichen Tag durch und versuche die Verspätungen abzuschätzen.
Am Putzplatz angekommen und angedockt, tritt man erst einmal 2 Schritte zurück, umrundet die Großbaustelle und macht sich eine groben Plan über die Lage. Ich muss gestehen, dabei blitzt immer wieder ein gelb-schwarzer Kärcher vor meinem geistigen Auge auf. Dann seufzt man 2mal tief und beginnt mit dem Stiegel seine Arbeit. Stumm. Man beglückwünscht sich dann schon, dass es ja alles wenigsten schon getrocknet ist. Dabei versucht man sich krampfhaft zu erinnern, wo der aktuelle Grenzwert für Feinstaub liegt und ob man doch noch irgendwo im Schrank einen Gesichtsschutz hat. Man ertappt sich aber vielleicht auch dabei, wie man über eine Tagesdecke für den Kollegen nachdenkt. Aber wenn ich mir das Bild hier so anschaue….
(an dieser Stelle herzlichen Dank an Katja& Méti für das Foto!!)