Wann habt Ihr Euch das letzte Mal anvertraut? Getraut zu vertrauen. Wann habt Ihr, das letzte Mal Eurem Tier vertraut? „Könnt Ihr nicht?“, meint Ihr. Da Ihr ja schließlich der Chef, der Rudelführer, das Leittier seid.

Wirklich!?

Was macht Eurer Meinung nach einen guten Chef aus? Wen akzeptiert Ihr, als Führungskraft? Welche Eigenschaften hat diese Person? Welche Charakterzüge zeichnen ihn aus? Vielleicht denkt Ihr, das sei doch ganz was anderes, Tiere ticken anders und basieren auf ihren Instinkten und sind aufs Überleben in der wilden und gnadenlosen Natur fixiert.

Nun, richtig – Tiere sehen es deutlich sachlicher und pragmatischer. Allerdings sehen Sie ungerührt die Wahrheit und geben einem gnadenlos und immer eine sofortiges Feedback, wie Sie uns gerade in unserer vermeintlichen Führungsrolle finden. Ob wir sie akzeptabel ausfüllen oder nur mangelhaft oder gar gerade eine totale Niete sind.

Aber wenn ich so an das Leben und Arbeiten in einem Großkonzern denke – so viel Unterschied ist da nun wahrlich nicht. Es ist eine Art Überleben. Auch hier lauern im Verborgenen unsichtbare Feinde. Feinde, die ebenso tödlich sein können. Allerdings weniger schnell, respektvoll und gnädig, wie ein schneller tödlicher Biss eines Wolfes oder Tigers in die Kehle. Sondern verlogener und hinterlistiger mit Fallstricken und Fangeisen. Schön langsam. Oder war das gar kein Feind, sondern ein Kollege der ein Freund sein wollte? Nun, ein Fluchttier sprintet erst einmal ein paar hundert Meter, um das zu überprüfen. Das Raubtier stellt sich der Situation in der Not alleine mit gefletschten Zähnen. Und wir Menschen – im Büro… ?

Also was macht eine gute Leitfigur aus? Sicherlich sehr viel und subjektiv betrachtet auch ein unterschiedlich gestaltetes Mosaik an hilfreichen Charakterzügen. Aber eine gemeinsame Basis ist Vertrauen. Vertrauen, dass uns diese Leitfigur nichts Böses, ja sogar, das Beste will. Auf uns achtet, vorausschauend, nicht nur auf sein eigenes Wohl achtet, sondern immer das der anderen im Auge hat. Wach und aufmerksam ist. Während sich die Anvertrauten entspannen, ausruhen und ihren täglichen Dingen nachgehen können.

Katzen – sind hier etwas ganz besonders. In Ihren Augen sind wir selten zur Führungsrolle geeignet – also nicht um sie zu führen. Sie nehmen sich eher unserer Seelen an, um Schlimmeres zu verhindern. ;) Eine Art Mitleid. Ihre Art zu zeigen, dass wir ihnen sehr wohl ans Herz gewachsen sind. Sie vertrauen nur darauf, dass wir schon irgendwann verstehen, dass wir Menschen endlich die Dose öffnen und ihnen das Futter reichen. Auch wenn wir manchmal unerträglich schwer von Begriff sein können.

Hunde und Pferde haben in der Regel gar nichts dagegen, wenn wir den Job eines Leittieres übernehmen. Denn Sie sind klug genug zu wissen, dass Erster sein, so unendlich anstrengend und kraftraubend ist. So dass sie gerne die bequemere und ressourcenschonender 2. Und 3. Reihe einnehmen. Allerdings haben sie uns immer im Blick und einen Sinn auf uns gerichtet, um den Moment nur ja nicht zu verpassen, in dem wir schwächeln, drohen zu versagen oder einen schlechten Job machen. Nicht um uns wie im Büro das Genick im Moment der Schwäche zu brechen. Nein, um einzuspringen. Notfalls auch ohne eignen Führungsqualitäten sofort und ohne zu zögern zu übernehmen und die Herde, mit dem schwächsten Glied zu verteidigen und damit zu retten.

Wie verdient man sich jetzt dieses Vertrauen? Wie wird man vertrauenswürdig?

Im Büro kann man kurzfristig faken. Mit Persönlichkeit und einer kleinen Show kann man Menschen für eine gewisse Zeit blenden. Allerdings ist man ein Narr, wenn man sein gegenüber für so dumm hält, dass sie die Lügen nicht merken. Früher oder später kommt alles ans Licht. Und dann wird es auch bei Menschen unschön.

Bei einem Tier kann man keine Show abziehen. Also kann man schon. Aber sie werden nur müde lächeln, über den Versuch sie mit rein gar nichts zu beeindrucken. Sie werden noch eher Mitleid mit unserer armseligen Darbietung haben. Andere, wie mein Pferd, werden sich nur mit einem tiefen Seufzer (es fehlt nur noch ein Kopfschütteln) von Dir abwenden und Dich einfach Deiner selbst überlassen. Dir damit zeigen, welche Zeitverschwendung Deine heiße Luft gerade war.

Authentisch sein. Das ist alles. Und doch für uns Menschen so schwer – beständig zu sein. Wissen wer wir sind und vor allem was wir wollen. Klar sein. Beständig. Konsequent. Gepaart mit viel Wärme und Liebe. Das macht uns vertrauenswürdig.

Das gegenüber weiß woran sie sind. Und mit dieser Grundeinstellung als Basis – einfach unseren Job machen. Sich um die über das Gras treibenden Din-A4 Blätter kümmern, die der Wind auf das Pferd zutreibt. Die Plastikplane sichern. Den Rasenmäher hinter der Gartenhecke als ungefährlich zu deklarieren. Für einen Hund, der Fels in der Brandung sein, sich dem Eindringling mit einer gelassenen Souveränität zu stellen. Ruhe ausstrahlen. Ich muss Euch allerdings enttäuschen, für eine Katze bleibt man immer unterbelichtet. Gerade wenn wir in der Gefahrenzone bleiben, wenn sie schon lange Fersengeld gezahlt haben. Aber darüber stehen wir ja als Katzenbesitzer ;)

Aber das ist auch ein ganz wertvoller Zusatz, den die Katzen uns damit auf den Weg geben. Bloß nicht alles so ernst nehmen. Habt Humor! Ja, ganz besonders mit den Tieren. Nehmt die nicht immer so Bierernst. Sie nehmen Euch auch oft genug nicht ernst. Habt Humor und nehmt sie gerade in „Panik“-Situationen eher mal gar nicht ernst.

Mein Pferd kann ein Lied davon singen. Und lebt immer noch glücklich. So wollte sie an einem Wintertag mal wieder nicht durch unser „Schreckensdorf“ geführt werden. Auch wenn wir das seit 9 Jahren durchqueren – es bleibt gruselig je nach Tagesform. Jetzt ist nur die Frage ob es nur nervig ist oder dramatisch wird. Die Panik stand ihr also mal wieder in den Augen und sie meinte es sei heute ganz klar nicht sicher. Ich prüfe ihr die Umgebung eh sträflich zu nachlässig bis gar nicht – habe ja überhaupt keine Ahnung. „Komme Kind wir gehen nach Hause“- ist dann ihr Mutterinstinkt. Ich sag dann nur papperlapapp – gerade jetzt ist doch ein toller Moment schöne Selfies zu schießen. Mein Pferd denkt jetzt erst Recht, ich spinne und bin total unzurechnungsfähig. Aber glaubt mir, mit „Jetzt guck doch mal in die Kamera“ und „Mach doch mal die hübschen Ohren vor“ und „Ach, jetzt hatte ich die Augen zu. Jetzt müssen wir noch ein Foto machen“ – ja, kann man jedes Tier in einer brenzlichen Situation, in der alles Spitz-auf-Knopf steht, in den totalen Wahnsinn treiben. Aber gleichzeitig bleibt man als Mensch vollkommen ruhig. Man lenkt sich selbst ab, von einer möglichen Panik, was jetzt alles Schlimme passieren könnte. Das Kopfkino kann gar nicht starten. Die Abwärtsspirale wird nicht in Gang gesetzt. Und mit unserer surrealen Ruhe verdutzen wir das Tier und es kann nicht anders, als und vertrauen.

Anmerkung der Redaktion: bei gruseligen Rinder, Schweinen, Rasenmähern etc. einfach das Objekt der Panik zutexten. Rinder und Schweine verstehen meist gar nicht, warum man sie jetzt so schwindlig redet. Schließlich kennt man sich nicht einmal. Dem Rasenmäher ist es egal. Und Dein Tier ist empört, dass man die Situation so fatal falsch einschätzt, dass man sich nicht um sie und ihre Panik kümmert. Die Kandidaten merken dann oft selbst, dass es vielleicht ein wenig drüber war. Auch wenn man keinen Schulterklopfer von seinem Vierbeiner erwarten sollte. Müssen sie doch nachher oft zugeben, dass man die Situation auf irrwitzige weise im Griff hatte und erstaunlicherweise nichts passiert ist.

Ohne es zu merken habt ihr Eurem Tier vertraut Euch zu vertrauen. Bravo!