Ich fütterte gerade am Abend die Offenstallpferde. So 25 Wuschel mit Winterfell. So 6 Damen und der Rest, mehr oder weniger Herren bzw. Rabauken. Ok, ich korrigiere es waren 23. Gerade hatten uns, Hals über Kopf, 2 Wallache verlassen. Warum? Nun, sie hatten sich in den Fressständern das 2. Mal in kurzer Zeit verlegt. Sie wurden rechtzeitig gefunden, auch aufwendig befreit und waren wohlauf. Was man von den nervlich angeschlagenen Besitzerpaar nicht sagen konnte. Somit zogen alle 4 aus.
Und ich kann schwören, dass der gesamte Wallachtrupp in seinem Essen /Heu herumstocherte und mich frage, ob die 2 doch nicht etwa gegangen sind, weil sie ihnen zu sehr in der Herde zugesetzt hatten, geärgert oder ähnliches? Insbesondere unsere Wallach-Gang wirkte wirklich etwas reuig betrübt. Frei nach dem Motto: so war es ja nun auch nicht gemeint und sie hätten ruhig bleiben können.
Ich muss Euch sagen, wenn ich da so abends gefüttert habe, war ich immer sehr froh ganz alleine zu sein und diesen unglaublich beruhigenden Kaugeräuschen der Pferde in aller Ruhe lauschen zu können. Über uns nur der dunkle Sternenhimmel. Ein Traum. Genau deshalb traute ich mich laut den Tieren bzw. diesen Stimmen in meinem Kopf zu antworten – und ihnen zu erklären, dass es das wiederholte Verlegen in den Futterständern und damit die wachsende Besorgnis der Besitzer war, die den Auszug der Stallgenossen begründete. Und nicht der Schabernack den sich die Wallachtruppe mit den beiden leistete. Zu mindestens nicht primär.
Kaum hatte ich das letzte Wort ausgesprochen, hörte ich das wohlige Schnurbsen von Heu von 17 Fellkollegen. Das penetrante Beobachtet, ja Durchbohrt werden von 34 Augen endete abrupt. Man ich kann wieder schwören, dass ich noch ein „OK. Schade, aber ok dann“, hörte. Und damit war das Thema für den Trupp sachlich, aber auch endgültig beendet. Der ein oder andere trauerte den Kollegen nach, die man so schön ärgern konnte. Manch einer von der Verbliebenden machte sich kurz Sorgen, wer nun ins Visier der Wallachgange rücken würde. Aber diese Gedanken wurden auch gleich wieder des guten Essens wegen zur Seite geschoben und auf einen anderen Zeitpunkt, einem späteren verschoben.
Und ich fing an mir ernsthaft Sorgen zu machen. Redete ich im Dunklen mit Pferden oder doch mit seltsamen Stimmen in meinem Kopf, oder beides? Wie erklärt man das einem Arzt? Oder sollte ich mich doch lieber zu diesem Kurs anmelden „Tierkommunikation“? Der Zettel hing doch noch unten in der Sattelkammer am schwarzen Brett, oder? …. Ok, schön ruhig durchatmen – alles wird gut. Grinste da mein Pferd still vor sich hin? … Oh man, ich glaube ich bin doch leicht überarbeitet und sollte mich mal zu Hause einfach still auf mein Sofa setzen und Ruhe geben… und einen Schnaps trinken, oder zwei.