Wir Reiter haben ja eh einen Knall. Aber mit dem Glitzerwahn sind wir nicht alleine. Gell, liebe Katzen- und Hundebesitzer, das kennt ihr auch? Dieses Kribbeln im Laden, wenn es glitzert. Nicht nur für Schuhe oder T-Shirts für uns selbst. NEIN. Auch und besonders für unsere Lieben.

Ich komme regelmäßig in Erklärungsnot bei nicht Tierbesitzern: „Warum glitzert alles bei Euch?“, „Hast Du schon wieder was Neues gekauft?“ War das Alte schon kaputt?“

Ja, was soll man da antworten. Also ehrlich, die erste Frage ist einfach – pfff da sollte man sich eher fragen, was das für ein Typ sein muss, der so eine Frage überhaupt stellt. Also wirklich. Zweite Frage ist auch einfach – ja natürlich ist das nicht Perwoll gewaschen. Und die letzte Frage – also nee, war das schon jemals ein Grund gewesen? Aber nichts von diesen ehrlichen Antwortet kommt einem über die Lippen – man ist ja höflich und übt sich in Demut. Keine der Antwortet wäre politisch korrekt oder wäre der eignen Zurechnungsfähigkeit zuträglich.

Also was antwortet man da?

Also meine Stute ist ja eindeutig so ein Mädchen mit Latzhose, die am liebsten mit Jungs im Dreck spielt. Wenn ich mit dem Mähnenspray aus der Sattelkammer gepaart mit einem entschlossenen Schritt auf sie zukomme und es tatsächlich auf ihre Mähne oder ihren Schweif niedernebeln lasse – sammle ich eindeutig keine Pluspunkte. Unser Emotional Bank Account erfährt eine Auszahlung. Allerdings lässt sie es gnädig, allein mir zu liebe, über sich ergehen, da wir nicht auch noch auf eine Zucht-Show fahren. Das hat sie mir abgewöhnt. Bin ja schließlich gut erzogen. Noch viel nachsichtiger ist sie, wenn ich – also mein T-Shirt, glitzert. Dass ist ihr ganz egal, dass kommt ja irgendwie nicht mit ihr in Verbindung. Für mich kann man ja nichts.

Aber es zieht einen einfach magisch an, wenn es glitzert. Man kann gar nichts dafür. Es ist wie, wenn man der Schlange bei Mogli zu lange in die Augen schaut. Es ist einfach schön. Egal, ob es sich um einen Schabracke, Gerte, Haarklipse oder Handschuhe handelt. Vollkommen egal. Witzig ist es der erste Blick, den man von seinem Pferd erntet, wenn man ihm zum ersten Mal eine Fliegenhaube aufsetzte – der ist besser als alles Glitzern und Glitter (nur so am Rande erwähnt). Aber zurück zum Thema – was sagt man?

Man reckt seinen Hals, hebt stolz das Kinn und schaut seinem Gegenüber tief in die Augen und sagt mit ruhiger, fester Stimme: „Schätzchen, es kann niemals genug glitzern. Da spielt es keine Rolle wie viele Halsbänder schon im Schrank hängen und glitzern. Feenstaub ist immer gegenwertig, wenn Prinzessinnen wandeln.“

Ich glaube, ja wirklich, dass da was Wahres dran ist. Habe letztens versucht die oberste Sägespänenschicht auf meinen Pferd als Feenstaub zu verkaufen… ich finde ja, dann macht es gleich mehr Spaß es aus zu bürsten. Zumal es sich dabei, um ein unerschöpfliches Vorkommen in den Tiefen des Winterfells handelt. Mir wurde von der benachbarten ebenfalls putzenden Pferdebesitzerin nur ein irrer und gleichzeitig mittleidiger Blick geschenkt. Kommt es mir nur so vor, oder rückte sie etwas weiter von mir weg, als sie sich kopfschüttelnd von mir abwendet, um ungestört weiter zu putzen?